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Sonntag, 28. April 2013

Buch: Ein Schritt zu viel von Evelyne Stein-Fischer

Wie ihr schon in anderen Berichten bemerkt haben dürftet, lese ich zurzeit viele Jugendbücher zu doch recht brisanten Themen. Das liegt unter anderem wohl auch mit daran, dass die Kids hier eben auch dieses gewisse Alter erreicht haben und man sich schon Gedanken macht. Ihr kennt das ja sicherlich, man kann als Elternteil noch so oft auf die verschiedenen Gefahren aufmerksam machen, aber es ist eben (fast) alles "blöd" was ein Elternteil im Bezug auf so etwas sagt. Man will den Kids ja nur den Spaß verderben...

Wenn die Kids jedoch durch solche Bücher erfahren, dass es so etwas wirklich gibt oder in welche Gefahren man sich durch unbedachte Handlungen bringen kann, so denken sie oft ganz anders darüber.

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Allgemeines zum Buch

Das Buch erschien im Juli 2008 und wurde durch den Ueberreuter Verlag in Wien herausgegeben. Das Buch "Ein Schritt zu viel" ist die komplett überarbeitete und modernisierte Neuauflage des Buches "Herzsprünge" aus dem Jahr 1996. Mit der ISBN-Nummer 978-3-8000-5435-0 kann man es in jeder Buchhandlung zu einem Preis von 12,95 Euro käuflich erwerben.

Der Hersteller empfiehlt ein Lesealter von 14-15 Jahren.

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Info über die Autorin

Evelyne Stein-Fischer, Autorin, wurde in Paris geboren und studierte Publizistik und Grafik. Nach Studienreisen durch England, Frankreich und die Schweiz arbeitet sie heute als Journalistin, freie Schriftstellerin und Illustratorin in Wien.

(Der Verlagsseite www.ueberreuter.at entnommen)

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Inhalt des Buches

Die 16-jährige Jenny mag ihren Freund Alex sehr. Jedoch kommt es zwischendurch vor, dass sie seine versuche nach mehr Nähe schroff abweist. Sie erträgt in diesen Momenten einfach nicht die Berührungen und die Nähe ihres Freundes. Gleichzeitig macht Jenny die Erfahrung, dass sie von den Menschen nur dann wirklich gemocht wird, wenn sie super Laune hat. allerdings ist es gar nicht so einfach gute Laune zu haben, wenn man etwas Schreckliches erlebt hat und mit niemandem darüber reden kann. Sie war 14 als ihr erster Freund Chris ihre Grenzen überschritt, er einfach ihr NEIN überhörte. Wird Jenny nach diesem Ereignis je wieder zu einem Jungen Vertrauen haben?

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Meine Meinung zum Buch

Ich habe im vorigen Jahr dieses Buch durch Zufall bei meinen Stöberaktionen durch das Internet entdeckt. Der Beschreibungstext sprach mich direkt an, wohl auch da die Kids hier eben auch in diesem Alter sind. Leider habe ich dieses Buch erst jetzt gelesen, irgendwie ergab es sich nicht wirklich vorher.

Worum geht es in diesem Buch? Die Geschichte von Jenny verkörpert eigentlich das Schicksal vieler junger Mädchen. Jenny die mit 14 Jahren eben altergemäß noch jung und unerfahren war, tappt in die Falle vor der sich viele fürchten. Allerdings denkt kaum ein Mädchen darüber nach, dass ihm selber so etwas passieren kann. Jenny hat sich Hals über Kopf in Chris verliebt und ist selig als dieser scheinbar ebenso empfindet. Er schmeichelt ihr, unternimmt etwas mit ihr, wohl aber direkt zu Beginn mit einem Hintergedanken. Irgendwann kommt es dann zu dem verhängnisvollen Tag und er überschreitet Jennys Grenzen. Hinterher redet er Jenny ein, dass sie ihn ja dazu getrieben hätte. Es ist also das bekannte typische Muster, dass der Täter das Opfer eben zum Täter macht. Ein Mädchen ist ja immer Schuld und es fordert eben so etwas hinaus durch Gestiken, Kleidung, Verhaltensweisen oder andere scheinbar offensichtliche Merkmale. Jenny schweigt eben dementsprechend aus Angst und aus Scham und verpasst ihrem neuen Freund Alex mehr als einmal eine Abfuhr.. Jennys Abweisungen sind für Alex jedoch schwer zu verstehen, denn er weiß ja nichts von der Tat aus der Vergangenheit. So kommt es zwischen den Beiden öfters zu Situationen die für beide Seiten verwirrend sind. Selbst ihre Familie ahnt nichts von dem Erlebnis, welches Jenny erleiden musste Jenny lernt es nämlich sich bei bedarf eine Maske anzulegen, eine Maske die den anderen vorspielt, dass es ihr gut geht. Die merkbaren Gefühlsschwankungen werden daher als normale Reaktion in der Pubertät abgetan. Niemand ahnt, was in Jenny wirklich vorgeht und warum sie sich so verhält.

Das ein Opfer in dem Falle schweigt, ist leider nicht ungewöhnlich. Viele Opfer glauben nämlich wirklich, dass sie die Tat provoziert haben, sei es durch aufreizende Kleidung oder ein wenig Zärtlichkeit. Meine Meinung jedoch ist, dass es egal ist was ein Mädchen trägt oder tut, es rechtfertigt eine Jungen / Mann nicht dazu sich etwas zu nehmen was das Mädchen nicht will. Selbst wenn ein Mädchen zunächst auf Küsse und Berührungen eingeht, dann aber sagt, dass nicht mehr passieren soll, dann hat eben der Junge diese Entscheidung zu akzeptieren. GRENZEN DÜRFEN NICHT ÜBERSCHRITTEN WERDEN!!! Leider nutzen gerade ältere und reifere Jungen die Naivität der jungen und naiven Mädchen zu ihren Gunsten aus, oftmals schaffen sie es sogar den Mädchen einzureden, dass es eben einfach dazugehört und ein Beweis der Liebe sei. KEIN MÄDCHEN MUSS MIT EINEM JUNGEN INTIM WERDEN!

Ich habe dieses Buch mit einem Hintergedanken gekauft. Wie anfangs schon erwähnt hören Teenies ungern auf die erwachsenen. Mit diesem Buch lassen sich aber die Ängste und Befürchtungen eines Elternteils "interessanter" rüberbringen. Es ist für Jugendliche auch oftmals schwer gerade mit den Eltern über so Themen zu reden, daher finde ich es schon gut, dass es Autoren gibt die solche Themen aufgreifen und den Jugendlichen so die Augen öffnen. Es ist eben ein Unterschied ob eben die Eltern so etwas ansprechen oder ob man es von einem fremden durch eben diese Bücher erfährt.

Zumindest ist es hier so, dass die Kids nach dem Lesen eines solchen Buches manchmal doch zu einem Gespräch bereit sind. Ich lese solche Bücher daher vor den Kids selber um bei Redebedarf nach dem Lesen des Buches mit ihnen auch über den Inhalt reden zu können.

Ich finde hier hat die Autorin Evelyne Stein-Fischer ein heikles Thema sehr gut aufgegriffen. Die Geschichte von Jenny lässt sich sehr gut und leicht lesen, denn die Autorin verzichtet auf hoch geschwollenem Geschreibe. Sie beschreibt gut das Gefühlsleben Jennys ohne dabei zu sehr ins Detail bei der eigentlichen Tat zu gehen. Die Ausdrucksweise der Autorin ist sehr gut geeignet für Jugendliche, driftet aber nicht in die heutige ""Sprache der Jugend ab. Die Altersempfehlung des Herstellers empfinde ich auch als vollkommen geeignet, denn die meisten Mädchen fangen in dem Alter an sich eben für das andere Geschlecht zu interessieren.

Von meiner Seite aus kann ich eine volle Kaufempfehlung aussprechen, denn es kann eben jedes Mädchen davon betroffen sein. Ich denke mal, dass dieses Buch Mädchen darin bestärken kann die eigenen Grenzen auch durchzusetzen.

Was ich lobenswert an diesem Buch fand war die Angabe von URLs zu einer Beratungsstelle für Deutschland, Österreich und der Schweiz. Es ist zwar nur ein kleiner Abschnitt ab ende des Buches, jedoch kann man ja die ausführliche Info und Hilfe auf den genannten Seiten suchen und bekommen.

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Gewalt gegen Frauen - Zahlen und Fakten

Zum Abschluss dieses Berichtes habe ich noch auf der im Buch genannten Hilfeseite für Deutschland recherchiert. Die folgenden Angaben und Informationen stammen also von der Seite www.frauen-gegen-gewalt.de.

Gewalt gegen Frauen hat viele Gesichter, beispielsweise
- Sexuelle Belästigung
- Demütigung
- Beleidigung
- Prügel
- Bedrohung
- soziale Kontrolle
- sexuelle Nötigung
- Stalking
- Vergewaltigung

* 40% der Frauen in Deutschland haben seit ihrem 16. Lebensjahr körperliche und/oder sexuelle Gewalt erlebt.

* 25% der in Deutschland lebenden Frauen haben Gewalt durch aktuelle oder frühere Beziehungspartner erlebt (häusliche Gewalt).

* 13% der in Deutschland lebenden Frauen haben seit dem 16. Lebensjahr strafrechtlich relevante Formen sexueller Gewalt erlebt.

* 42% der in Deutschland lebenden Frauen haben psychische Gewalt erlebt, z.B. Einschüchterung, Verleumdungen, Drohungen, Psychoterror.

* Gewalt gegen Frauen wird überwiegend durch Partner oder Expartner und im häuslichen Bereich verübt.

* Frauen in Trennungs- oder Scheidungssituationen sind besonders gefährdet, Opfer von Gewalt durch den (Ex)Partner zu werden.

* Mehr als die Hälfte der von körperlicher Gewalt betroffenen Frauen hat körperliche Verletzungen aus Übergriffen davongetragen, von diesen hat ein Drittel deshalb medizinische Hilfe in Anspruch genommen.

* Je nach Gewaltform haben 56% bis 80% der Betroffenen psychische Folgebeschwerden davongetragen (Schlafstörungen, Depressionen, erhöhte Ängste, etc.). Besonders hoch war der Anteil bei psychischer und bei sexueller Gewalt.

* Kinder sind oft von Anfang an in das Gewaltgeschehen gegen die Mutter involviert. 20% derjenigen Frauen, die in ihrer letzten Partnerschaft Gewalt erlebt haben, gaben die Geburt als das gewaltauslösende Ereignis an, weitere 10% die Schwangerschaft.

* Gewalt markiert im Leben der Frauen oft einen Bruch mit den gewohnten Beziehungs- und Lebensbezügen, auch wenn der Täter nicht der Partner ist (z.B. Trennung, Wohnungswechsel, Kündigung des Arbeitsplatzes).

* 37% der von körperlicher und 47% der von sexueller Gewalt Betroffenen haben mit niemandem darüber gesprochen. Die Anteile sind noch höher, wenn der Täter der aktuelle oder frühere Beziehungspartner ist.

* Wenn Frauen über die erlebte Gewalt sprechen, dann zuerst und am häufigsten mit Personen aus ihrem unmittelbaren sozialen Umfeld.

Ich finde diese Auszüge aus der Homepage sprechen für sich und ich erspare mir weitere Worte, denn ich könnte es nicht wirklich in die richtigen Worte fassen was ich dabei denke.

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